Stuttgart, Februar 2020
Im Februar 2020 war ich allein in Stuttgart unterwegs, mit der Kamera und ohne festen Plan. Der Tag war geprägt von klarem Sonnenschein und kühler Luft. Das harte Winterlicht sorgte für starke Kontraste und lange Schatten im Stadtraum.
Ich bewegte mich durch die Innenstadt, rund um Schlossplatz und Königstraße, später durch kleinere Seitenstraßen. Im Fokus standen alltägliche Szenen: Menschen auf dem Weg zur Arbeit, kurze Begegnungen an Ampeln, Spiegelungen in Schaufenstern. Keine Inszenierung, keine Begleitung – nur Beobachtung.
„Keine Inszenierung, keine Begleitung – nur Beobachtung“
Menschen bleiben vor Schaufenstern stehen, prüfen Auslagen, vergleichen Preise, verlieren sich für einen Moment im Blick nach innen. Genau dort setze ich an. Während ihr Fokus auf dem Präsentierten liegt, richtet sich meiner auf die Oberfläche des Glases. Ich suche Überlagerungen – das Zusammenspiel aus Ware, Spiegelbild und Stadtraum dahinter.
In den Scheiben mischen sich Innen- und Außenwelt. Figuren verschmelzen mit Schriftzügen, Fassaden legen sich über Gesichter, vorbeiziehende Schatten schneiden durch leuchtende Displays. Mit einem kleinen Positionswechsel verändert sich die Gewichtung: Mal dominiert die Reflexion der Straße, mal tritt das Interieur in den Vordergrund.
Das harte Winterlicht verstärkt diesen Effekt. Kontraste werden klarer, Spiegelungen präziser, Strukturen deutlicher sichtbar. Menschen erscheinen doppelt, fragmentiert oder nur als Silhouette im Glas. Es entstehen vielschichtige Bilder, die weniger eine einzelne Szene zeigen als mehrere Ebenen gleichzeitig – Beobachtung im eigentlichen Sinn.
Es war ein stiller, konzentrierter Tag. Stuttgart wirkte sachlich und strukturiert – eine passende Kulisse für eine zurückhaltende, dokumentarische Bildsprache.












